EuGH-Urteil zu Rückerstattungen bei illegalen Online-Casinos in Deutschland
Jakob Franke · Aug 11, 2026

EuGH-Urteil zu Rückerstattungen bei illegalen Online-Casinos in Deutschland

Der Europäische Gerichtshof hat im Verfahren C-440/23 entschieden, dass deutsche Spieler Ansprüche auf Rückerstattung von Verlusten aus nicht lizenzierten Online-Casino-Spielen geltend machen können, wenn diese Aktivitäten zum Zeitpunkt der Teilnahme nach deutschem Recht verboten waren, und zwar auch dann, wenn die betreffenden Angebote Roulette oder vergleichbare Spiele umfassten.
Die Richter stellten klar, dass das Unionsrecht nationale Verbote für nicht lizenzierte Online-Casinos nicht ausschließt und zudem zivilrechtliche Rückforderungsansprüche von Einsätzen zulässt, selbst wenn sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen in der Zwischenzeit geändert haben.
Hintergrund des Verfahrens vor dem EuGH
Das Ausgangsverfahren betraf mehrere Kläger, die bei Anbietern ohne deutsche Lizenz Roulette und weitere Casino-Spiele gespielt hatten, während solche Tätigkeiten nach dem damaligen nationalen Recht untersagt waren, und die anschließend ihre Einsätze zurückverlangten; das mit dem Fall befasste deutsche Gericht hatte dem EuGH Fragen zur Vereinbarkeit dieser Ansprüche mit EU-Recht vorgelegt.
Die Entscheidung bestätigt, dass Mitgliedstaaten weiterhin eigene Regelungen zum Schutz vor illegalem Online-Glücksspiel aufrechterhalten dürfen, ohne dass europäische Grundsätze wie Dienstleistungsfreiheit oder Verbraucherschutz dem entgegenstehen.
Kernpunkte der Entscheidung
Der Gerichtshof stellte fest, dass EU-Recht weder die Aufrechterhaltung nationaler Verbote noch die Möglichkeit zivilrechtlicher Restitutionsklagen blockiert, und zwar unabhängig davon, ob die betreffenden Vorschriften später gelockert oder durch neue Regelungen ersetzt wurden; dies gilt ausdrücklich für Spiele wie Roulette, die unter die Verbotsnormen fielen.
Auf Basis der Pressemitteilung Nr. 53/26 erläutert das Gericht, dass die nationalen Gerichte die Voraussetzungen für solche Rückerstattungen eigenständig prüfen können, solange die zugrunde liegenden Verbote mit EU-Recht vereinbar bleiben.

Auswirkungen auf Spieler und Anbieter
Deutsche Spieler erhalten durch das Urteil eine zusätzliche rechtliche Grundlage, um bei nicht lizenzierten Anbietern eingesetzte Beträge zurückzufordern, sofern die Spiele zum Zeitpunkt der Teilnahme illegal waren; Gerichte in Deutschland können nun auf diese europarechtliche Klarstellung zurückgreifen, wenn sie entsprechende Klagen prüfen.
Für Betreiber ohne deutsche Lizenz ergibt sich daraus ein erhöhtes Risiko zivilrechtlicher Forderungen, da die Entscheidung die Zulässigkeit solcher Ansprüche ausdrücklich bestätigt und damit bestehende Verbote weiter absichert.
Rechtliche Einordnung und nationale Umsetzung
Die Richter betonten, dass das Urteil keine Aussage zur aktuellen Rechtslage nach Inkrafttreten neuerer Vorschriften trifft, sondern sich auf die Verhältnisse zum Zeitpunkt der jeweiligen Spielteilnahme bezieht; nationale Gerichte bleiben daher zuständig, die konkreten Sachverhalte unter Berücksichtigung der damaligen Verbote zu bewerten.
Beobachter weisen darauf hin, dass die Entscheidung die Position der deutschen Aufsichtsbehörden stärkt, weil sie die Möglichkeit zivilrechtlicher Durchsetzung von Verboten europarechtlich absichert und damit illegale Angebote weiter eindämmt.
Relevanz für den deutschen Glücksspielmarkt
Das Urteil fällt in eine Phase, in der Deutschland den Übergang zu einem regulierten Markt vollzieht, und zeigt, dass frühere Verbote auch nach ihrer möglichen Aufhebung noch zivilrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen können; Spieler, die vor der Liberalisierung an nicht lizenzierten Plattformen teilgenommen haben, können daher weiterhin Rückerstattungen beantragen.
Die Pressemitteilung PRESSEMITTEILUNG Nr. 53/26 fasst die wesentlichen Aussagen zusammen und steht sowohl in deutscher als auch in englischer Fassung zur Verfügung.
Schlussfolgerung
Das EuGH-Urteil in der Rechtssache C-440/23 liefert eine klare europarechtliche Bestätigung dafür, dass nationale Verbote gegen nicht lizenzierte Online-Casinos und darauf gestützte Rückerstattungsansprüche mit dem Unionsrecht vereinbar sind; deutsche Gerichte können diese Grundsätze nun unmittelbar anwenden, wenn sie über entsprechende Klagen entscheiden.
Die Entscheidung festigt die rechtliche Stellung von Spielern gegenüber illegalen Anbietern und unterstreicht gleichzeitig die fortbestehende Gültigkeit nationaler Schutzvorschriften im Bereich des Online-Glücksspiels.